SZENE

„Die Digitalisierung soll keine Menschen ersetzen“

Gastrofix-Gründer und Geschäftsführer Stefan Brehm spricht mit Danny von onepot, welche Rolle die Digitalisierung in der Gastronomie einnimmt.

Herr Brehm, Sie sind Geschäftsführer des Kassensystem-Anbieters Gastrofix und gelten in der Branche als angesehener Digi-Experte. Welche Chancen bietet die Digitalisierung der Gastronomie?

Brehm: „In einem Wort: etliche. Nehmen Sie den Fachkräftemangel: Am Markt sind immer weniger qualifizierte Mitarbeiter verfügbar, da ist es für Gastro-Betriebe überlebenswichtig, das bestehende Team so gut es geht, zu entlasten. Mithilfe digitaler Tools und Services ist das möglich. Zahlreiche personalintensive Prozesse können damit schon heute relativ einfach automatisiert und dadurch effizienter gemacht werden. Die Angestellten werden so entlastet und der Unternehmenserfolg gesichert. Was gar nicht genug betont werden kann: Es geht bei der Digitalisierung nicht um das Ersetzen, sondern das Unterstützen der Menschen.“

Wie hoch ist der Digitalisierungsgrad derzeit in der deutschen Gastro-Szene? Wie
schaut es in anderen Ländern aus? Wer ist Vorreiter?

Brehm: „In Deutschland leider noch unterdurchschnittlich – auch wenn die Skepsis langsam aber sicher einer vorsichtigen Neugier weicht. Wir stellen fest, dass mehr Betreiber von Restaurants sich trauen, das ein oder andere Tool zumindest mal auszuprobieren. Und genau dieses Ausprobieren ist der erste wichtige Schritt, schließlich ist nicht jedes neue Digitalisierungsinstrument auch für jeden Betrieb geeignet. Insgesamt können wir aber von Ländern wie Norwegen oder den Niederlanden noch viel lernen. Dort sind Vorbehalte gegenüber neuen technischen Entwicklungen viel schneller passé als hierzulande.“

Welche Risiken birgt die Digitalisierung der Gastronomie?

Brehm: „Natürlich immer das Risiko der Datensicherheit. So ehrlich muss man sein: Auf dem Weg zu einer digitalen Gesellschaft und all den Vorteilen, die damit verbunden sind, gibt jeder auch ein Stück mehr von sich selbst preis. Gerade bei jüngeren Menschen fällt mir oft auf, dass sie sich über die Risiken, alles über sich in sozialen Medien zu offenbaren, gar nicht bewusst sind. Da ist ein Stück Kultur verloren gegangen, die wir und unsere Eltern noch kannten. Zudem bieten vernetzte Services natürlich auch das Problem der stärkeren Kontrolle und Reglementierung durch den Staat.“

Inwieweit können kleine Betriebe mit wenigen Mitteln von der Digitalisierung
profitieren?

Brehm: „Auch wenn der Begriff Digitalisierung immer nach Mammutprojekt und gigantischem finanziellen Aufwand klingt: Schon mit dem Drehen an kleinen Stellschrauben lässt sich viel bewirken. Das kann zum Beispiel die Einführung einer professionellen Software für die Personalorganisation sein oder die Umstellung auf eine digitale Kasse mit Cloudanbindung. Es kommt eben immer darauf an, sich erst einmal grundsätzlich mit dem Thema zu beschäftigen und klar zu identifizieren: Was will ich erreichen? Welche Tools brauche ich dafür? Klar, nichts ist umsonst. Aber in vielen Fällen hat sich der Aufwand schnell amortisiert, auch bei kleinen Betrieben.“

Wo stehen wir in 50 Jahren in Sachen Gastronomie und Digitalisierung?

Brehm: „Das ist eine schwierige Frage. Ich glaube, so weit kann niemand in die Zukunft schauen. Es gibt immer eine Vielzahl an tollen Ideen, aber letztlich ist es auch eine gesellschaftliche Frage, was davon umsetzbar ist. Jeder Trend löst irgendwann einen Gegentrend aus. Heute bestellen die Leute alles im Internet, aber viele merken auch, dass der stationäre Handel ausstirbt und besinnen sich wieder darauf, im Geschäft einzukaufen. Solche Zyklen wird es auch in der Gastronomie geben, denke ich. Heute liefern lassen, morgen wieder lieber persönlich von einem Menschen im Restaurant bedient werden. Alles ist möglich.“

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