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Trang Hong leitet mit ihrer Mutter das Restaurant Klub Kitchen in Berlin. Die 27-Jährige entschied sich nach ihrem Jura-Studium für die Gastronomie.

Berlin. „Unconventional Urban Cross Over Kitchen“ nennt sich das Restaurant in der Gegend um den Hackeschen Markt. Die Speisekarte mit 13 Gerichten ist äußerst übersichtlich auf einer einzigen Seite, und in Englisch. Das ist verständlich, wenn man die hohe Zahl an ausländischen Gästen betrachtet. Tatsächlich hat sich das Klub Kitchen auf den werktäglichen Mittagstisch spezialisiert. Die Berufstätigen in Mitte, darunter viele Designer, Models, Fotografen und Grafiker, haben es gerne leicht und gesund.

Chia-Apfel-Minz-Saft ist ein Renner

Da sind Glasnudeln mit Süßkartoffeln, Tofu, Karotten, Spinat und Sesam für 6,50 Euro, die „Grüne Schüssel“ mit Brokkoli, Spinat, Edamame und Parmesan für 7,50 Euro oder das Kürbis-Ragout mit Kürbis, rotem Reis, Grünkohl, Granatapfel und verschiedenen Samen für 9 Euro oder die K-K-Schüssel mit Blumenkohl in Butter, Kürbis, balsamierter roter Beete, Karotten und Rosenkohl für 9 Euro. Alle Gerichte liegen unter 10 Euro. „Das haben wir so kalkuliert, weil die Gäste hier für eine Mittagsmahlzeit nicht mehr als 10 Euro ausgeben wollen“, sagt Co-Restaurantchefin Trang Hong (27). Sie führt das Restaurant mit ihrer Mutter Thu Ha Duoy. Das  Restaurant öffnete im April 2015 an der Mulackstraße, wo Thu Ha Duoy vorher ein Modegeschäft betrieb. Bald zog es die Familie jedoch an die Almstadtstraße, wo es ein größeres Ladenlokal in einem historischen Gebäude gab. Das Lokal hat 80 Plätze innen und 40 außen. Trang Hong hat Jura studiert, fasste jedoch nach dem Abschluss ihres Studiums den Entschluss, nicht als Rechtsanwältin oder Richterin zu arbeiten,  sondern in der Gastronomie. „Mit dieser Entscheidung bin ich immer noch sehr glücklich, mir macht diese Arbeit jeden Tag Spaß“, sagt Hong. Mit der Speisekarte will sie alle Richtungen abdecken. Es soll für Veganer, Vegetarier, Fleisch- und Fischesser immer etwas dabei sein. Alle Allergene wie Gluten, Nüsse oder Eier sind auf der Speisekarte vermerkt, was in Berlin längst noch nicht Standard ist. Bei den Getränken sind die selbst hergestellten Limonaden und Säfte wie der Chia-Apfel-Minz-Saft sehr beliebt.

Einrichtung ist Minimalismus in Reinkultur

„Wir haben eine extrem hohe Zahl an Stammgästen, mehr als 50 Prozent. Viele kommen sogar an fünf Tagen in der Woche zu uns“, so Hong. Die Speisekarte mit Einflüssen aus aller Welt hat sie selbst entwickelt, von Zeit zu Zeit gibt es Veränderungen. Obwohl das Lokal bis 21 Uhr geöffnet ist, liegt die Hauptzeit beim Mittagessen zwischen 12 Uhr und 15 Uhr. Das Servier-Modell nennt Hong einen „halben Self-Service“. Man bestellt das Essen an der Theke und bezahlt auch dort in bar, anschließend wird es an den Tisch gebracht. Wer möchte, kann sein Geschirr nach dem Essen selbst abräumen und es zur Küchenluke bringen, das ist aber keine Pflicht. Deliveroo und andere Bringdienste lehnt Hong ab, diese würden zu hohe Provisionen nehmen und dadurch die Gerichte zu teuer machen. Catering bietet das Klub Kitchen jedoch an, dies ist bei vielen Firmen auch höchst beliebt. Das Catering mache mittlerweile rund 30 Prozent des Umsatzes aus. Insgesamt sind im Klub Kitchen 15 Mitarbeiter beschäftigt, davon sechs in Vollzeit. Das Innere des Restaurants ist Minimalismus in Reinkultur: Bänke, Tische und Geschirr haben alle zarte Pastellfarben. „Dies haben wir bewusst so gestaltet, denn wir haben viele Gäste aus dem Designbereich, die den ganzen Tag mit Mustern und Farben arbeiten, und in der Pause einmal abschalten wollen“, so Hong.

Dirk für onepot

 

 

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