SZENE

KREBSFLEISCHESSEN FÜR DIE ARTENVIELFALT

Das Berliner Start-up Holycrab will in seiner Foodtruck-Küche invasive Krebsarten, die das Ökosystem der Hauptstadt gefährden, verarbeiten.

Berlin. „Es war ein Artikel im Tagesspiegel vom 6. Mai letzten Jahres, in dem die neu aufgetretenen Sumpfkrebse beschrieben wurden“, erinnert sich Lukas Bosch. Er ist einer der drei Gründer von Holycrab. „Tiergarten-Sumpfkrebse kommen auf die Speisekarte“ lautete die Überschrift. Im Artikel war zu lesen, dass eine Fischerei die Erlaubnis zum Fang der bis zu 15 Zentimeter langen Tiere bekommen hatte, die zuvor von der Senatsverwaltung für Umwelt auf Schadstoffe untersucht wurden. Weil die Tiere sich vor allem im Britzer Garten und im Tiergarten stark vermehrten, sollte der Ausbreitung nun Einhalt geboten werden. Allein in den ersten Tagen waren dem Fischer rund 1600 Krebse in die Reusen gegangen.

Besonders, wenn es in Berlin regnet, fühlt der Sumpfkrebs sich pudelwohl und man kann ihn dann sogar über die Straßen flitzen sehen. Der Amerikanische Sumpfkrebs hat sich zur Plage entwickelt und bedroht die heimische Flora und Fauna. Neben ihm haben sich außerdem die Chinesische Wollhandkrabbe und der Kamberkrebs ausgebreitet. Sie sind nach Europa mutmaßlich an Bord von Frachtschiffen gelangt, finden in den hiesigen Ökosystemen keine Fressfeinde und vermehren sich deshalb exponentiell.

Das Team: v.l. Lukas Bosch, Juliane Bublitz und Andreas Michelus.

Das Team: v.l. Lukas Bosch, Juliane Bublitz und Andreas Michelus. Foto: Bastimowka

Der Zeitungsartikel wirkte bei Bosch nach und er begann ein Geschäftsmodell für das Krebsfleisch zu entwickeln. Bosch hatte Kulturwissenschaften studiert und arbeitet in Frankfurt am Main als Unternehmensberater. „Eine gastronomische Ausbildung habe ich nicht“, bekennt er freimütig. Für das Kulinarische verpflichtete Bosch den Koch Andreas Michelus, der zuvor im Hotel du Rome am Herd stand und als Saucier im Hotel am Steinplatz Erfahrung sammelte. Die Dritte im Bunde ist Juliane Bublitz, von Beruf Zukunftsforscherin. Bublitz arbeitet als Projektmanagerin am Zukunftsinstitut Workshop und absolvierte zuvor eine Design-Thinking-Ausbildung am Hasso Plattner Institut Potsdam.

„Wir werden die Krabben und Krebse in einem Foodtruck anbieten, um Erfahrung mit verschiedenen Zielgruppen, Standorten und Eventformaten zu sammeln“, sagt Bosch. Mit der Craft-Bier-Brauerei BRLO sei man derzeit im Gespräch, so Bosch. Der Foodtruck befindet sich noch im Bau. Er wurde durch Eigenkapital finanziert. Am Fahrplan für den Foodtruck wird noch getüftelt.  Holycrab hält derweil Ausschau nach Personal: Ein Koch und einige Servicemitarbeiter werden gesucht. Das bisherige Team wurde für seine Idee bereits mit dem Award Kultur- und Kreativpiloten 2018 ausgezeichnet und stand im Finale des Gastro-Gründerpreises 2019 auf der Internorga.

Die Preise für eine Krebs-Mahlzeit sollen zwischen 8,50 Euro und 12,50 Euro liegen, kalkuliert Michelus. Als Beilage sei „Krummes Gemüse“ in Bio-Qualität in Planung. Dies können krumme Gurken, Äpfel mit Macken an der Schale oder Möhren mit drei „Beinen“ sein, die vom Handel aussortiert werden und normalerweise im Müll landen. Rezepte sind bereits entworfen. Der Berlin Lobster Bun besteht aus Krabben im frisch gebackenen Sauerteigbrioche mit hausgemachter Dillmayonaise, mariniertem Staudensellerie und in Limettensaft eingelegtem rotem Zwiebelsalat. Crabs’n’Cripples sind Krabben und krummes Gemüse, in der Pfanne zubereitet. Cabbaged Crabs  sind Krabben, serviert mit Spitzkohl-Cannelloni, gefüllt mit einem Salat aus Fenchel und Aioli.

Dirk für Onepot

 

 

 

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