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PATENTIERTES SUSHI IN BERLIN

Hoang Minh Tuan Nguyen führt seit 2017 das Sushi-Lokal Roji in der deutschen Hauptstadt. Der 30-Jährige stammt aus einer Gastronomen-Familie.

Berlin. Hoang Minh Tuan Nguyen (30) hat eigentlich den Beruf des Dekorateurs gelernt. Wer das von außen unscheinbare Restaurant Roji am Rathaus Pankow betritt, erkennt sofort, dass hier ein Meister des Faches am Werk war. Schon die Toilette ist eigentlich eher ein Gesamtkunstwerk als ein Ort für schnöde Verrichtungen. Alles ist in braun gehalten, sogar das Pissoir verschwindet in dieser Umgebung. Es erinnert an eine aufgeschnittene, riesige Kokosnuss. Es duftet exotisch und angenehm, wie eine Restauranttoilette wirkt das Ganze gar nicht. Im Eingangsbereich des Lokals parkt ein antiker Reiskarren. Eine Ecke hinter einer Sitzbank gestaltete Nguyen zu einem japanischen Garten en miniature. Statt industrieller Glasflaschen wird die Sojasoße im Roji in mit japanischen Schriftzeichen verzierte, handgearbeitete Keramikgefäße gefüllt.

Sein Anwalt hat bereits Abmahnungen verschickt

Die akribische Dekoration hört aber im Roji nicht beim Interior-Design auf. Auch das Essen ist derart phantasievoll auf japanischen Holzbrettern arrangiert, dass mancher Gast sich gar nicht traut, es zu zerstören. Das Signature Dish ist die Roji-Platte, die pro Person 25 Euro kostet. Die Sushi-Kreationen sind hier auf einer Balustrade arrangiert, in einer Vase steckt der Salat wie ein Blumenstrauß. Aus einem Glasgefäß wabert Trockennebel über die kulinarische Landschaft. Sofort rücken Gäste vom Nebentisch nah heran, um Selfies für Instagram zu machen.

„Die Konkurrenz der Sushi-Lokale in Berlin ist groß. Einige haben mir schon Sachen abgeschaut“, sagt der an beiden Armen tätowierte Nguyen. Deshalb hat er sich vier Gerichte beim Patentamt Berlin schützen lassen: Die Salmon Rose, die Tuna Rose, Amazing Friendship und Love on the Boat. Diese Kreationen dürfen unter diesen Namen nicht von anderen Restaurants nachgemacht werden. Nguyen verrät, dass sein Anwalt deswegen schon Abmahnungen verschickt hat.

Im Roji werden Sushi-Träume wahr.

Im Roji werden Sushi-Träume wahr. Foto: Dirk Engelhardt

Das Design und die Qualität des Sushis verfehlen auch bei Asiaten ihre Wirkung nicht. „Rund 50 Prozent meiner Kunden sind Asiaten“, verrät Nguyen mit Stolz in der Stimme. Zum Zeitpunkt des Besuchs von onepot waren im Lokal sogar 95 Prozent Kunden aus Asien. Im Dezember 2017 eröffnete Ngyuen das Lokal. Obwohl er keine Werbung machte, sprach sich die Kunde des neuen Lokals schnell herum. Nguyen musste sogar die Kapazität des kleinen Raums auf 35 Plätze erhöhen, um der Nachfrage gerecht zu werden.

Stammgäste dürfen sich auf Holztafeln verewigen

Im Alter von 14 Jahren kam Nguyen nach Berlin. Er wuchs in einer Gastronomen-Familie auf. Sein Vater führt in Berlin-Charlottenburg das Restaurant I-Ke-Su, in dem Nguyen früher mithalf. Nach seiner Ausbildung als Dekorateur fasste er den Entschluss, ein eigenes Restaurant aufzumachen, und entschied sich für Berlin-Pankow. Neun Angestellte arbeiten hier, allesamt junge Männer aus dem Freundeskreis des Chefs. Sie tragen alle eine japanische Uniform und sprechen deutsch.

Durch den Erfolg des Restaurants ermutigt, ist Nguyen bereits mitten in der Planung für ein zweites Restaurant am Prenzlauer Berg. Es soll im Frühjahr öffnen. Wo genau es sein wird, verrät der Gastronom noch nicht. „Ich werde die Karte aber ein wenig anpassen, denn in Berlin hat jeder Kiez seine Eigenheiten und sein spezielles Publikum“, so Nguyen. Den frischen Fisch bekommt er von einem Händler aus Hamburg. Sonderangebote, wie sie viele Sushi-Lokale anbieten, gibt es im Roji nicht. Die Karte umfasst die ganze Vielfalt der Sushi-Welt – von Nigiri, Maki, Temaki bis Inside-out-Rolls.

Für Stammgäste hat Nguyen ein besonderes Schmankerl: Sie bekommen eine kleine Holztafel gereicht, auf der sie eine persönliche Widmung schreiben können. Diese Tafeln hängen zu Dutzenden an einer Wand im Lokal. „Gut, dass es euch gibt!“ ist hier eine der bescheidensten Formen des Lobes.

 

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