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BEZIEHUNGSKISTE GASTRONOMIE

onepot-Redakteur Danny hat mit dem Pärchen Adrian und Lisa aus Wuppertal gesprochen. Beide haben sich als Kellner im Café du Congo kennengelernt. Seit zwei Jahren sind sie zusammen. Er ist angehender Gastronom, sie hat es in die Radio-Welt verschlagen. Beide berichten über die Schwierigkeiten in der Gastronomie, eine Liebesbeziehung aufrechtzuerhalten.

Adrian (22) aus Wuppertal, angehender Gastronom

„Für mich war das mit Lisa sehr einfach, weil wir uns kennengelernt haben, da habe ich gerade neu im Restaurant angefangen, musste also eh alle kennenlernen und sie war ein Teil des Teams. Generell ist es aber eher schwer eine Beziehung aufzubauen, weil gerade in der Gastronomie, in der ich arbeite, sich niemand wirklich binden will. Es ist immer Alkohol im Spiel – meistens nachts – und dadurch bekommt das Ganze schnell einen offenen Beziehungscharakter. Auch weil man ja mit sehr vielen verschiedenen Menschen gleichzeitig in Kontakt kommt. Man hat also quasi immer eine sehr große Auswahl, wenn man so will. Gerade innerhalb des Viertels ist es auch wirklich schwer etwas Ernstes anzufangen, weil sich die meisten kennen, und dadurch ist man oft direkt im Gespräch und hält sich dann eher zurück mit festen Versprechungen. Das betrifft aber eigentlich nur die Gastro-Menschen unter sich.“

Die Magie der Kneipe – Oder mehr als eine Nacht ist oft nicht drin

Adrian: „Im Prinzip fällt der erste Kontakt als Kellner mit Gästen natürlich super leicht, gerade auch weil man sich in einer Umgebung kennenlernt die Date-Charakter hat. Man könnte das quasi als Kneipen-Magie bezeichnen. Irgendwie ist jedem klar, mehr als eine Nacht ist nicht drin. Und das alles macht es schwer, sich wirklich fest zu binden. Wenn man im gleichen Laden arbeitet, ist das natürlich praktisch – was die Arbeitszeiten angeht. Schwierig wird es dann, wenn einer besser ist oder eine höhere Position hat. Allerdings versteht man natürlich den Alltag besser, kann besser planen, weil beide häufiger nachts arbeiten. Man achtet mehr aufeinander, der Bezug zum Alkohol und anderen Versuchungen ist ja auch deutlich größer. Gerade jetzt, wo Lisa nicht mehr in der Gastronomie tätig ist, sehen wir uns kaum. Wenn sie zur Arbeit geht, schlafe ich noch, wenn sie wieder kommt, bin ich schon weg. Und wenn ich wieder komme, schläft sie natürlich schon.

Als wir beide noch nachts gearbeitet haben, gab es dieses Problem nicht. Lisa versteht, dass ich für den Laden alles gebe und auch mal spontan vom Sofa oder dem Date los muss, weil der Laden plötzlich voll ist oder die Kühlung faxen macht. Ich bin tagsüber und abends immer in Bereitschaft und da bringt sie sehr viel Verständnis mit. Das können andere nicht. Generell ist es schwer eine Beziehung aufzubauen, weil Kennenlernen und gemeinsam Zeit verbringen oft neben der Gastro nicht funktioniert. Aber wenn man dann mal soweit ist, geht’s ganz gut. Zumindest bei uns. Man hat den gleichen Freundeskreis, die gleiche Einstellung und natürlich den gleichen Bezug zu nachts arbeiten und tagsüber Freizeit zu haben. Die Gastronomie ist schon ein sehr komischer Haufen.“

Love is in the air bei Lisa und Adrian. Foto: Lisa Jülich

Lisa (27) aus Wuppertal, ehemalige Kellnerin im Café du Congo, heute Radio-Nachrichtensprecherin

„Ich denke, es kommt darauf an, was für eine Art Partner man sucht. Einen Partner für einsame Stunden kann man in der Gastro jederzeit finden, wenn man es drauf anlegt. Einen Partner fürs Leben zu finden dagegen, ist super schwer. Fängt schon in der Kennenlernphase an: Meistens kollidieren deine Arbeitszeiten mit denen deines Gegenübers, sodass man gar nicht viel Zeit findet, sich kennen zu lernen. Das klassische Date mit abends ins Kino und etwas essen ist halt schwer, wenn du selbst das Essen rausbringen musst. Wenn man es über die Kennenlernphase hinaus geschafft hat, wird es nicht einfacher, im Alltag auf einen Nenner zu kommen.“

Verständnis für einen Gastflirt muss beim Partner vorhanden sein

Lisa: „Es ist ganz klar von Vorteil, wenn beide aus der Gastronomie kommen. Man hat entweder ähnliche Arbeitszeiten oder sogar Schichten zusammen. Und wenn nicht, dann weiß man wenigstens wie das ist, in der Gastro zu arbeiten. Da wird sich dann nicht gestritten, wenn der eine mal unerwartet länger bleibt, immer erst nachts nach Hause kommt oder am frühen Morgen. Oder vielleicht auch mal mit einem Gast flirtet. Man weiß halt wie der Hase läuft und worauf man sich einlässt.

Bei uns war es oft so, dass wir eben keine Schichten zusammen hatten, was zwangsläufig dann hieß: Wir sehen uns abends auch mal eine Woche nicht. Anders herum ist es auch nicht immer einfach, wenn man zusammen eine Schicht hat. Der Partner wird plötzlich zum Kollegen oder gar zum Weisungsbefugten. Da muss man ganz dringend Privates von Beruflichem trennen, und das ist nicht immer leicht. Den Streit vom Vormittag muss man zu Hause lassen, den Anpfiff während der Schicht, weil man was falsch gemacht hat, darf man nicht persönlich nehmen.

Ganz wichtig sind auf jeden Fall Verständnis und Vertrauen. Man muss verstehen, dass es nun mal manchmal so ist, dass dieser eine letzte Gast doch länger bleibt als gedacht, der Feierabend in weite Ferne rückt und man sich eben doch nicht mehr sieht. Vertrauen darauf, dass ein Flirt mit einem Gast immer nur beruflich ist. Flexibilität und Spontanität sind auch wichtige Bausteine. Es verschieben sich so oft Schichten, da darf man sich nicht drüber ärgern. Einfach neu planen, aber das ist leichter gesagt als getan. Damit haben wir auch manchmal zu kämpfen.“

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