PRO & CONTRA

KÖCHE IM GÄHNSEHEN

Vor fast 60 Jahren nahm mit Clemens Wilmenrod das Übel seinen Lauf. WTF – wer? Wilmenrod ist praktisch der Godfather aller Mälzers, Lafers und Herrmanns dieses Landes. Er war der erste deutsche Fernseh-Koch. Geboren als Carl-Clemens Hahn versuchte sich der gelernte Schauspieler vor der Kamera unter dem Künstlernamen Clemens Wilmenrod als Küchenpatron der deutschen Hausfrau. Seine Sendung „Liebe Freunde in Lucullus“ stieg zum Straßenfeger auf. Kurz nach dem Krieg war frau froh, um jeden Küchentipp. Dank Wilmenrod erlangte der Toast Hawai – eine kross geröstete Scheibe Weißbrot, eine saftige Scheibe Ananas, eine würzige Scheibe Käse und eine labbrige Scheibe Schinken – Kultstatus.

Seit dem hat sich viel getan. Die Straßen werden nicht mehr gefegt, sondern gekärchert. Und statt dem öffentlich-rechtlichen oder Privat-Fernsehen zu folgen, greifen immer mehr Menschen auf Pay-TV und Streaming-Dienste zurück. Wen wundert’s? The last Quotenkönigin der deutschen TV-Landschaft im Thermomix-Zeitalter scheint die gute, alte, unerschütterliche Kochshow zu sein. Ob die Küchenschlacht, das Perfekte Dinner oder ab 2019 wieder Grill den Henssler – für jedes Niveau ist etwas dabei. Schuhbeck philosophiert laierkastenmäßig über seinen siamesischen Zwilling namens Ingwer. Und Nelson Müller fremdelt: Im ZDF mimt der Essener Koch den Verbraucherschützer, der arme, unwissende Bürger vor Killer-Tomaten rettet, in dem er sie aus zehn Metern Höhe zu Boden krachen lässt …

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1 Kommentar

  • Antworten Thilo Lambracht 10. Dezember 2018 at 16:11

    Ich verstehe den Verriss gar nicht. Zwei aktuelle bzw. ehemalige Sterneköche propagieren den Einsatz von lokalen Lebensmitteln und vermitteln sehr glaubwürdig die Freude am Kochen selbst bei erschwerten Bedingungen.

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